Battenfeld: Vom Marktfuehrer zum Waisensystem
Battenfeld Maschinenfabrik war einer der groessten europaeischen Hersteller von Spritzgiessmaschinen. 2008 ging das Unternehmen infolge der Finanzkrise pleite und wurde von Wittmann Kunststoffgeraete GmbH (Wien) uebernommen. Die Maschinen wurden als "Wittmann Battenfeld" weiterverkauft, bis 2022 der Markenname Battenfeld endgueltig aufgegeben wurde.
Das Ergebnis: Alle Battenfeld-Maschinen, die vor 2008 gebaut wurden, mit der originalen Unilog 4000-Steuerung, sind jetzt Waisensysteme. Es gibt keinen Hersteller mehr, der Garantie, Software-Updates oder originale Ersatzteile fuer das Unilog 4000 liefert. Wittmann bietet Support nur fuer Wittmann Battenfeld-Maschinen (nach 2008).
Die polnische Installationsbasis
Polen hat eine der groessten Konzentrationen von Battenfeld-Maschinen vor 2008 ausserhalb Deutschlands und Oesterreichs. Drei Regionen dominieren: Wielkopolska (Poznan-Korridor, Auto-Teile und Konsumgueter), Mazowsze (Warschau-Gebiet, Medizinprodukte und Verpackung) und Slask (Kattowitz-Region, Automobilindustrie und Baumaterialien). GCG hat 2024-2025 bereits Kontakt zu mehr als 30 polnischen Unternehmen mit aktiven Unilog 4000-Installationen aufgenommen.
Die Unilog 4000-Architektur: Was migriert
Das Unilog 4000 ist ein geschlossenes, proprietaeres Steuerungssystem, das auf einer Motorola 68000-Plattform mit eigenem Echtzeit-BS aufgebaut ist. Maschinenspezifische Parameter (Einspruckdrucke, Kuehlzeiten, Schliessdrucke) werden in nicht-fluechtigem SRAM (Batterie-abhaengig) gespeichert. Kommunikation laeuft ueber proprietary RS-485-Varianten und in spaeteten Versionen ueber Euromap 63.
Die SRAM-Batterie ist nach 15-20 Jahren ein kritischer Punkt: Bei Batterieausfall gehen alle Maschinenrezepte verloren. GCG sieht dies bei ca. 40% der Unilog 4000-Installationen, die wir inspizieren. Das Migrationsverfahren erfordert daher immer einen Parameter-Dump ueber die serielle Schnittstelle, bevor die Maschine abgeschaltet wird.
Migration zu B&R: Der Ansatz von GCG
GCG waehlt B&R X20 als Migrationsziel fuer Unilog 4000-Installationen aus drei Gruenden: (1) B&R bietet vollstaendige IEC 61131-3-Konformitaet, wodurch die sequentielle Einspritz- und Kuehllogik relativ schnell umgeschrieben werden kann; (2) B&R Automation Studio unterstuetzt Euromap 67/77 (den Nachfolger von Euromap 63) out-of-the-box; (3) B&R gehoert ABB und hat eine starke Distributionsbasis in Polen (Krakau, Posen, Breslau).
Die Migrationsschritte von GCG fuer ein Unilog 4000: (1) Parameter-Dump ueber serielle Schnittstelle (alle Rezepte, Kalibrierungen); (2) Verdrahtungsaudit aller Sensoren, Aktoren und Sicherheitsschalter; (3) Engineering des B&R-Anwendungsprogramms (typisch 5-10 Arbeitstage je nach Maschinenkomplexitaet); (4) Schrank-Retrofit oder neuer Schrank; (5) FAT in der Werkstatt; (6) SAT am Produktionsboden, einschliesslich Spritzqualifikation (5 Referenzprodukte). Durchschnittliche Stillstandszeit: 48-72 Stunden fuer eine Standardmaschine.
Der Kohorten-Ansatz: Warum Gruppieren sich lohnt
GCG bietet polnischen Spritzgiessern einen Kohorten-Ansatz: 3-5 Unternehmen mit aehnlichen Battenfeld-Maschinen werden in ein 6-12-monatiges Migrationsprogramm gebundelt. Vorteile: gemeinsame Engineering-Arbeit (die B&R-Basisapplikation fuer eine HB-Serie ist groesstenteils wiederverwendbar), guenstigere Stueckkosten fuer Hardware und gemeinsame FAT-Einrichtung in unserer Werkstatt in Eindhoven. Typische Kosteneinsparung vs. Einzelansatz: 20-35%.